Wenn das Parkhaus zur Energiezentrale wird
Was wäre, wenn ein Parkhaus nicht nur Mobilität organisiert, sondern gleichzeitig ein ganzes Quartier mit nachhaltiger Wärme versorgt?
Die Klimagarage verbindet fünf Funktionen in einem Gebäude:
- Parkhaus
- Ladeinfrastruktur
- Photovoltaik
- Heizzentrale
- Energiespeicher
So wird aus einem klassischen Parkhaus eine multifunktionale Energiezentrale, die direkt dort Energie fürs Heizen und Laden erzeugt und bereitstellt, wo sie benötigt wird: im Quartier.

Nachhaltige Wärme für das Kornquartier
Im Bremer Kornquartier wird das Konzept der Klimagarage erstmals praktisch umgesetzt. Das von der Stadt.Energie.Speicher GmbH entwickelte Konzept soll zugleich Modellcharakter für weitere Projekte in Deutschland haben. GOLDBECK realisiert das Gebäude mit 13 Parkebenen, 135 Pkw-Stellplätzen, 150 Fahrradstellplätzen und 75 Ladepunkten für Elektrofahrzeuge.
Die Klimagarage bündelt damit unterschiedliche Anforderungen auf begrenztem Raum. Sie schafft ein zentrales Mobilitätsangebot, ermöglicht so Freiraum im autofreien Quartier und unterstützt zugleich die Energieversorgung der benachbarten Gebäude.
Mit dem ganzheitlichen Konzept lassen sich die Strombezugskosten nach Angaben von Stadt.Energie.Speicher um mehr als 30 % reduzieren. Damit wird das Parkhaus zu einem aktiven Bestandteil der Quartiersversorgung.

So funktioniert die Klimagarage I/II
So funktioniert die Klimagarage II/II
Wärmeerzeugung
Die Wärmeerzeugung erfolgt primär über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die Umweltwärme aus der Außenluft nutzt und effizient in Heizenergie umwandelt. Die Energieaufnahme erfolgt vorrangig über außenliegende Tischkühler. Optional können die Tischkühler auch Wärme abführen und damit zur Kühlung eingesetzt werden. Bei Bedarf ergänzt ein Power-to-Heat-Modul das System, indem es elektrische Energie, beispielsweise überschüssigen PV-Strom, direkt in Wärme umwandelt.
Wärmespeicherung
Drei Großwärmespeicher mit einem Gesamtvolumen von 450 Kubikmetern speichern die erzeugte Wärme. Dadurch können die Wärmepumpen unter Berücksichtigung schwankender Strompreise betrieben werden. Das trägt dazu bei, die Kosten der Wärmeerzeugung zu senken.
Wärmeverteilung
Allein mit den im Gebäude integrierten Anlagen wird die Klimagarage rund 430 Haushalte auf 55.000 m² Wohn- und Gewerbeflächen mit vollständig nachhaltiger Wärme versorgen.

Mobilität bündeln, Freiraum schaffen
Die zentrale Organisation des Parkens trägt dazu bei, das Kornquartier weitgehend autofrei zu gestalten. Fahrzeuge werden an einem Ort gebündelt, während innerhalb des Quartiers mehr öffentliche Freiräume für die Menschen entstehen.
Die Klimagarage zeigt, wie sich Parkhäuser zu wichtigen Bausteinen nachhaltiger Stadtquartiere weiterentwickeln können. Sie verbindet individuelle Mobilität mit Ladeinfrastruktur, erneuerbarer Energie und einer zentralen Wärmeversorgung. So entsteht ein Gebäude, das weit über das Parken hinausgeht und neue Möglichkeiten für die Entwicklung lebenswerter, energieeffizienter Quartiere eröffnet.